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Was ist eine E-Li-Birne?

Die E-Li-Birne, e li 鵝梨, wörtlich „Gänsebirne“, ist eine chinesische Birne mit dünner Schale und viel Saft. Ein Arzneibuch aus dem 11. Jahrhundert sagt, ihr Geschmack bleibe etwas hinter den besten Birnen zurück, ihr Duft aber übertreffe sie. Wegen dieses Dufts kam sie ins Räucherwerk: Das bekannteste Rezept dämpft Adlerholz in ihrem Saft.

Was die Arzneibücher sagen

Su Songs illustriertes Arzneibuch von 1061 nennt die zwei Birnen, die Ärzte verwendeten, die Milchbirne und die E-Li-Birne. Li Shizhen zitiert es in seinem Bencao gangmu, abgeschlossen 1578:

Milchbirnen kommen aus Xuancheng. Ihre Schale ist dick, ihr Fleisch fest, und der Geschmack hält lange an. E-Li-Birnen wachsen in den Präfekturen nördlich und südlich des Gelben Flusses. Ihre Schale ist dünn, und sie sind voller Saft. Der Geschmack bleibt etwas zurück, der Duft aber übertrifft sie.

Li Shizhen fügt hinzu, die E-Li-Birne sei dieselbe wie die mianli 綿梨, die „Seidenwatte-Birne“. Woher der Name „Gans“ kommt, sagt keiner der beiden.

Für Li Shizhen gehört sie zu den drei besten Birnen, zusammen mit der Milchbirne, die er der Schneebirne gleichsetzt, und der xiaoli 消梨, die er „Duftwasser-Birne“ nennt. Viele andere, etwa die Grünschalige, die Frühe oder die Halbpfund-Birne, findet er grob und herb, nur zum Dämpfen, Kochen oder Trocknen in Streifen gut.

Ein weiteres Arzneibuch, das von Kou Zongshi aus dem Jahr 1116, beschreibt eine andere Frucht als „gelb wie eine E-Li-Birne“. Reif war die E-Li-Birne also gelb.

Der Baum

Li Shizhen beschreibt den Birnbaum als zwei bis drei Zhang hoch, also etwa sechs bis neun Meter, mit spitzen, glänzenden, fein gezähnten Blättern. Im zweiten Mondmonat öffnet er weiße Blüten „wie Schnee“. Er zitiert ein altes Sprichwort: „Wind an Shangsi, Würmer in den Birnen; kein Mond zur Herbstmitte, keine Perlen in den Muscheln.“ Shangsi, der dritte Tag des dritten Monats, fiel kurz nach der Blüte. War es an diesem Tag windstill, setzten die Früchte gut an.

Aus Samen wächst keine gleiche Birne nach. Li Shizhen gibt ein Landwirtschaftsbuch aus dem 6. Jahrhundert wieder: Von den etwa zehn Kernen einer Birne werden nur ein oder zwei zu Birnbäumen, die übrigen zu wilden Du-Birnen 杜. Gute Birnen wurden auf Wildbirne oder Maulbeerbaum veredelt, so trugen sie auch früher.

Wo die guten Birnen wuchsen

„Gute Birnen kommen meist aus dem Norden“, schreibt Li Shizhen. „Im Süden sind nur die aus Xuancheng besser.“ Er zählt die Orte auf, die ältere Autoren rühmten, darunter Zhending, Juye, Suiyang, Linzi, Hongnong, die Gegend um Chang’an, Ye und Luoyang, und sammelt, was sie sagten:

  • Sima Qian schrieb, wer nördlich des Huai und am Gelben Fluss tausend Birnbäume besitze, sei einem Fürsten mit tausend Haushalten gleich.
  • Ein Erlass von Kaiser Wen der Wei, der von 220 bis 226 regierte, lobt die kaiserlichen Birnen von Zhending: „groß wie eine Faust, süß wie Honig, knackig wie die Wassernuss“.
  • Eine frühe Chronik der Region der Drei Qin beschreibt eine Birne, so voller Saft, dass sie beim Herunterfallen platzte; man musste sie mit einem Beutel auffangen. Kaiser Wu der Han ließ sie in seinem Park pflanzen.

Die E-Li-Birne gehört zu diesem nördlichen Birnenland. Su Song verortet sie an beiden Ufern des Gelben Flusses, und in Kaifeng verkauften die Tabletts in den Weinstuben E-Li-Birnen „aus Hebei“, nördlich des Flusses.

Auf den Straßen von Kaifeng

Meng Yuanlaos Erinnerungen an Kaifeng, die Hauptstadt der Nördlichen Song, erwähnen die E-Li-Birne mehr als einmal. In den Weinstuben kamen Händler mit kleinen Tabletts voller Trockenfrüchte vorbei: frisch geröstete Ginkgonüsse und Esskastanien, E-Li-Birnen aus Hebei, Birnenstreifen, getrocknete Birnen. Im sechsten Monat verkauften Stände an Straßenecken und Brücken unter blauen Stoffschirmen „saftige E-Li-Birnen“, dazu weiße Pfirsiche, Aprikosen und Eis.

Warum sie ins Räucherwerk kam

Wegen ihres Dufts. Hong Chus Duftregister aus der Song-Zeit verzeichnet das Bettvorhang-Räucherwerk des Herrschers der Südlichen Tang: Adlerholz, in E-Li-Birnensaft gedämpft. Chens Duftregister, 1322 abgeschlossen, gibt zwei Fassungen mit Birnen. In der einen wird ein Liang Adlerholz (etwa vierzig Gramm) mit dem Saft von zehn Birnen in einem Silbergefäß dreimal gedämpft, bis der Saft verschwunden ist. In der anderen werden die Birnen ausgehöhlt, mit Adlerholz- und Sandelholzpulver gefüllt und gedämpft.

Dasselbe Register nutzt die Birne noch zweimal:

  • Das geschmorte Adlerholz des Herrschers der Südlichen Tang. Auf jedes Liang Adlerholz der Saft von zehn E-Li-Birnen, mehrmals in einem Gefäß aus Silber oder Stein gedämpft. Oder: Das Adlerholz in Späne von einem halben Cun schneiden, etwa anderthalb Zentimeter, ein Ende anspitzen, alle in eine Birne stecken und diese so lange dämpfen, wie man braucht, um eine Schale zu trinken. Ist die Birne gar, zieht man die Späne heraus.
  • Kleines Drachenspeichel-Räucherwerk. Eine seiner Fassungen besteht nur aus Adlerholz und etwas Borneol, fein gemahlen, mit E-Li-Birnensaft zu Küchlein gepresst und dann verbrannt.

In jedem Rezept trägt die Birne den Duft: Ihr Saft zieht beim Dämpfen ins Holz oder bindet das Pulver, und ihr Aroma geht mit.

Goose-Pear Canopy: das Räucherwerk für hinter den Bettvorhängen erzählt die ganze Geschichte des Bettvorhang-Räucherwerks, mit Huang Tingjians Gedichten.

Ist sie eine Nashi-Birne?

Wohl eine nahe Verwandte, auch wenn niemand sagen kann, welche Birne es genau war. Die Birnen Nordchinas heute, etwa die Ya-Birne 鴨梨 aus Hebei, nennen Botaniker Chinesische Weiße Birnen, Pyrus × bretschneideri. Sie sind Cousinen der runden Nashi, die bei uns als „Asienbirne“ verkauft wird, und wie diese knackig und saftig statt schmelzend wie eine europäische Birne.

Der Name der Ya-Birne bedeutet „Entenbirne“, nach dem kleinen Höcker am Stiel, der an einen Entenkopf erinnert. Es liegt nahe, die Ente mit der Gans zu verbinden, aber kein alter Text tut das, und wir behaupten es auch nicht.

In unseren Perlen

Die E-Li-Birne ist eines der vier Materialien von Goose-Pear Canopy, neben einem Adlerholz-Akkord, Sandelholz und Pu-Erh-Teeblättern. Sie gibt den frischen Auftakt. In unseren Perlen ist sie zu Pulver gemahlen und mit dem Rest gemischt; nichts wird in Birnensaft gedämpft. Das Register der Materialien zeigt, was in jedem unserer vier Armbänder steckt.

Zum Eintrag: Goose-Pear Canopy · 鵝梨帳中香

Quellen

  • Li Shizhen, Bencao gangmu 本草綱目, Früchte, Teil 2 (梨, mit Zitaten aus Su Songs Bencao tujing 本草圖經, von Jia Sixie, Sima Qian, Kaiser Wen der Wei und aus dem Sanqin ji 三秦記; 庵羅果, mit Zitat aus Kou Zongshis Bencao yanyi 本草衍義).
  • Meng Yuanlao, Dongjing menghua lu 東京夢華錄, Band 2 (飲食果子) und Band 8 (是月巷陌雜賣).
  • Chen Jing, Chenshi xiangpu 陳氏香譜, Band 2 (江南李主帳中香 und seine Varianten; 江南李王煎沉; 小龍涎香).